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Samma, kannzedich noch anne Schulzeit erinnern? An unsere Paukers? Für alle hattenwe sonnen Spitznamen; manchmal hammwe auch gesagt „Schimpfnamen“. Kurzer kerniger Ausdruck, abba immer treffend.

Genauso wie bei uns anne Ecke. Manchmal waah datt ja nich vorteilhaft, wattwe gesacht hamm, abba treffend waah datt immer. Wenne „Pummel“ gerufen hass, dann waah klar, datte plötzlich sonnen Kawenzmann von 100 Kilo plus vor dir stehen hattes und nich sonnen Schmachtlappen. Und wenne „Schilli“ gerufen hattes, dann waah auch klar, datt dieser Tüp irgenzwatt mitte Augen hatte. Bei „Häuptling Silberlocke“ hasse schomma aus Ehrfurcht vor datt Alter den Kopp nach unten versenkt.

Schlimm waah datt nur bei uns inne Familje. Von Frieda ihre Seite. Mann, da hattense abba hinterde Hand Begriffe inne Anwendung, da musstesse schomma schwer schlucken. An eine entfernte Verwandtschaft kannichmich noch gut erinnern. „Bremse“, hammse datt Frauenzimmer genannt. Datt waah abba auch ne Patty-Bremse, ich sach dir datt. Wenn die bei uns auffe Patty kaam, dann hatt sich jeder schonnen Pullower mehr angezogen. Weil „Bremse“ sonne Kälte an sich hatte, datte gemeint hass, es iss fünf Grad minus.

Klar, datt auch inne Sportvereine die Spitznamen anne Tagesordnung waahn. Kennze noch „Kabba“ Korte? Oder „Baumann“ Heinz Thiesing? Oder „Lajana“ Werner Holbach? Oder „Bosch“ Hans Frochte? Oder „Jan“ Johann Szymczak? Oder „Kips“ Josef Fischer? Oder den „Schwatten“ Helmut Barteit? Oder „Neger“ Jürgen Linnemann? Datt waahn einfach Größen bei uns in Ahlen und jeder hatte die Namen sofort auffe Lippen.

Spitzenreiter in solche Namensgebung waahn damals ganz bestimmt die Sportfreunde Wacker. Mann, hatten die da Namens auffe Leitung. „Dollo“ Brinkmann, „Juppa“ Fliß – mitt den ich abba weder verwandt noch verschwägert bin !!! – „Eusch“ Rüschenschmidt, „Heinta“ Tertilte, „Walla“ Krimphove, „Heiner“ Quante, „Hänsel“ Bus, „Hassi“ Fliß, „Hännes“ Wittling, „Paule“ Stücke, „Pat“ Amen, „Peppi“ Forreyt und „Tinni“ Feldkamp.

Ach, weisse, ich könnte noch Seiten schreiben, Wacker waah datt Eppizentrum vonne Namenskreazjonen. Kreisweit.

Und als dann datt 50. Vereinsjubiläum im Mai/Juni 1970 gefeiert wurde, da konntesse die Namens immer wieder hören und jeder vonne Angesprochenen fühlte sich dann auch angesprochen.

Und alle diese Namens hamm die Jahre komplett überstanden. Wenne heute noch von „Dollo“ sprichs, dann weiß ehm jeder, dattat der Brinkmann vonne Wackeraner waah, also den Verein, woh der Feuerwehrturm, auch Steigerturm genannt, und der Bunker genausonnen Sümbol waahn wie für Berlin datt Brandenburger Tor. Nur mitt den Unterschied, dattse datt Brandenburger Tor nich abgerissen hamm, so wie den Feuerwehrturm, demse 1966 datt Licht ausgemacht hamm, und den Bunker.

Tach auch!

Frauen waahn verboten

Samma, datt iss kein vorgezogenen April-Scherz. Datt iss echt, wattich da schreibe. „Frauen waahn verboten“. Ehrlich, so wie ich datt schreibe. Frauen waahn beim Fußball verboten. Bis Ende Oktober 1970. Bis dahin waahnse beim DFB die Frauen einfach am ingorieren. Mussedirma reinziehen: für die Fußball-Bosse waahn die Frauen gaanich inne Welt. Bis dann auf sonne Zusammenkunft in Travemünde die Frauen plötzlich am existieren waahn.

In England, also in diese Hochburg vonne Fußballer, gaaps Fußball für die „lädies“ schon ganz lange. Kultig und züchtig, wie datt beide Insulaner so üblich waah: mit Hütchen auffem Kopp und sonn Röcksken überde Knickerbocker. Wegen den Anstand.

Ja, und dann gantz plötzlich gaaps bei uns auch Fußball fürde Frauen; in Ahlen sogar nochen Tacken früher als beim DFB. Als nämlich der SSV Westfalia Ende Juni 1970 sein Jubiläum am feiern fing, da stand im Programm von den SSVern schon sonnen Hinweis auffe Demonstrazjon im Frauen-Fußball. Ne echte Rewollutzjon.

Beim DFB gaaps keine Frauen, beim SSV abba standense hoch im Kurs. Tüppisch Ahlen, mussichma so einwerfen. In viele Dinge iss Ahlen immer sonnen kleinen Tacken inne Führung. Erss zwanzig Jahre später durften dann die nazjonalen Frauen inne Europameisterschaft eingreifen. Und prompt hammse dann auch gewonnen. Und weisse, wattse als Preis gekricht hamm? Fang ja nich am brüllen, abba datt stimmt, wattich getz inne Öffentlichkeit bringe. Unsere siegreichen Frauen hamm ein Kaffeeservice als Geschenk bekommen. Datt waah 1989. Ein Jahr später hatt Kaiser Franz in Rom mitt seine Jungens die WM gewonnen. Getz stelldirma vor, wennse den Rudi Völler sonnen Kaffeeservice inne Hand gedrückt hätten. Oder vielleicht den Icke Häßler oder die Heulsuse Möller. Mann, die hätten Polterabend im Olympiastadion von Rom gemacht.

Abba mitte Frauen konntense datt ja machen, wobei die Alternative ja eventuell sonnen Mopp oder Aufnehmer besser gewesen wären für die Küchenaabeit vonne Frauen.

Watt sollich sagen, in Ahlen hatte man den richtigen Riecher.

Nur beide Frage vonne Trikottauscherei, da waah sich der SSV–Vorstand nich ganz grün. Da gaaps richtige Debatten. Die einen waahn dafür, weilse schon viel von den Oskar Kolle, dense in ihm sein bürgerliches Lehm Oswald nannten, gelesen und gesehen hatten.

Und die anderen, die waahn noch ausse alte Schule, so wie mein Onkel Günna. Au wie, watt waah der von gestern. Einmal, als wir voll die Pattie hatten, kaam Tante Katti mit ein Dekolltee bei uns inne Wohnung und ich waah gierig am kucken, watt sich da alles so verbirgt. Und Onkel Günna hat gebrüllt „Juppa“, hatta gebrüllt, „da daafse nich hinkucken. Datt iss Sünde. Davon wirsse blind!“ Abba selbs konnta gaanich lange genug seine Augen auff Tante Katti richten.

Ja, kuck, und watt iss heute? Da daafs hinkucken, im Dekolltee und beim Frauenfußball.

Tach auch!

Träne im Knopploch

Samma, alzich 1970 mitten inne Nacht von Silvester auf Neujahr mitt meine Frieda auf ein weiteres Jahr „Nichtangriffspakt“ angestoßen hatte, happich ihr so mittenmang gesacht: „Frieda“, happich ihr gesacht, „1970 wird watt ganz besonderes!“ Ich hatte datt irgenzwie im Gefühl.

Und pemm, kaum hatte datt Jahr angefangen, les’ ich inne „AV“, datt die leichten Athleten in sonne Art Vereinigung mitte TuSler aus Heessen gegangen waahn. Sonne LG hammse datt genannt. Und da bekanntlich kleine Ereignisse schon sonnen großen Schatten auffe große Ereignisse werfen, konntenwe ja noch einiges erwarten.

In diese Tage feierte die LG datt Vierzigjährige vonne LG. Und bei diese Gelegenheit hammse sonne gantz große Ehrung für einen gemacht, der bestimmt schon sonn paarmal umme Welt gelaufen iss. Bildlich natürlich. Den Peter Wechler.

Ja, den Peter Wechler iss sonnen Läufer, der datt mal sonnen alten Krieger in Griechenland apgekuckt hatte, alz der von Marathon nach Athen gelaufen iss. Über 40 Kilometer sind datt. Also einmal IKEA und zurück. Und der Peter Wechler hat diese gantze Strecke in zwei Stunden und dreißig Minuten gelaufen.

Hömma, weisse eigentzlich wattat iss? Ich bring mal sonnen praktisches Beispiel. Wenn meine Frieda zu Weihnachten ihren Truthahn inne Bratröhre schiept, dann dauert datt inne Regel zwei Stunden und dreißig Minuten. Abba diese Zeit wird zellibriert, datt kannich dir sagen. Also; Frieda schiept den Truthahn innen Backofen, macht die Lampe an und die Heizung auf volle Pulle. Und dann sitztse vorde Bratröhre und kuckt sich datt Geschehen an. Die Tür vonne Küche ist fest verrammelt, datt keina meine Frieda bei ihr Zellibrieren am stören fängt.

Zweieinhalb Stunden isse am kucken, wie alz wennse vorm Fernseher sitzt. Datt tu ich in diese Zeit dann auch gantz genüsslich. Rosamunde Pilcher oder Utta Danella auf SATT Eins, wohse immer die Werbepausen hamm, datte dir dann schnell noch sonn neues kühles Püllken holen kannz. Getz kannze dir vorstellen, datt diese Truthahn-Zellibrierung bei mir immer sehr willkommen iss. Ich happ meine Ruhe, happ gute Unterhaltung und happ meine Pülleken anne Seite. Und Frieda sieht alles am brutzeln. Jede hat seine eigene Röhre, weisse.

Ja, kuck und getz hat dieser Peter Wechler gesacht: „Schluss!“ hatta gesacht. Nich, weila die Faxen dicke hatte. Nee, weisse, datt Lehm hat auch andere Herausforderungen und die wollta sich stellen. Punkt.

Und so hattenwe inne letzte Woche alle sonne Träne im Knopploch: kein Peter mehr am laufen, kein Peter mehr am Listen schreiben, kein Peter mehr am Siegerpodest für am ehren.

Tut schon weh, mussich sagen. Abba, mal ehrlich: wenn einer so lange im Ehrenamt am wullacken waah, dann hatta auch mal datt Recht für am aufhören. Der Boss vonne leichten Athleten hat den Peter dann auch gantz fest inne Arme genommen und auffe Schulter gekloppt. Datt tut man ehm, wenn einer aufhören tut.

Tach auch!

Watt iss Rivalität?

Samma, datt kommt dabei raus, wennema sonn bissken mehr Ahnung hass als die anderen bei uns anne Ecke. Nun hattessich bei uns anne Ecke rumgesprochen, dattich sonne Intimität mit Frau Guggel happ.

Schon kommse alle angerannt. „Hömma, Juppa, kannzemirma….“ Oder „Juppa, du hass da doch sonne Perle am wickeln, die so viel inne Birne hatt….“ Und so geht datt getz schon die gantze Zeit.

Boh, ej, datt hatt mich nun abba auch einen Ruf eingebracht, den ich mir schwer entlohnen lasse. Nich mitt Patte, nee: hierma sonn Körnken, da ma sonn Bierken. Alles für auf lau. Versteht sich.

Kommt die Tage mein alten Kumpel Stanislaw an. „Samma, Juppa“, hatta mich gefraacht, „watt iss eigentzlich Rivalität?“ Also, hömma, da brauch ich doch erss gaanich im Internet gehen. Datt weißich doch noch aus meine eigene Lehmserfahrung.

„Kuckma, Stanis,“ happichem gesacht. „Du kennst doch Lüdenscheid Nord und Herne West? Also den BVB und den S04. Stanis, datt iss Rivalität inne Endkultur. Datt hatt nix zu tun mit den Riva-Kwai-Marsch. Beidiese Rivalität gehz um echte Kloppe biss auffem Messer“.

Watt sollich sagen. Stanis hatt datt nich sofort kapiert, weilaja überde Stadtgrenze von Ahlen nich oft rauskommt. Also, musstich sonnen neuen Beispiel finden.

„Kuckma, Stanis“, bin ich inne Verlängerung von meine Erklärung gegangen. „Wenne früher bei uns in Ahlen mittem blaugelben Schal bei Baran inne Kneipe gegangen biss, dann konntesse dein Bier nur unter Polizeischutz trinken. Genauso wie umgekehrt, wenne mittem blauroten Schal bei Körvers annen Tresen kaams, dann hattesse abba sofort sonnen Aufpassser anne Seite, der dir nachem ersten Bierken sofort sachte „Und getz tschüss“, also diese klare Ansage, datte Mücke machen solltest. Stanis, kuckma, datt iss Rivalität!“

Datt waah einleuchtend mitt diese Erklärung aussem Ahlener Geschehen. Putzum hattich Stanislaw sofort alles verklickert, watt zu verklickern waah. Und vor allem, ich brauchte dann nich bei meine intime Freundin Frau Guggel am nachkucken. Mein Nachbar Stanislaw waah im Bild, wusste getz auch, datt damals eine Ehe zwischen eine Schickse, von der ihr Vatta bei Wacker Ahlen waah, niemals einen Jaust heiraten konnte, von dem ihm sein Vatter bei Westfalia Ahlen waah. Datt waah Fakt. Sonne Misch-Ehe kaam nie zustande und selbs Dechant Scheiermann hätte seine Probleme für am schlichten gehappt.

Und so gaaps in Ahlen damals große Rivalen: die Blaugelben vonne Jahnwiese und die Blauroten vom Theresienhof.

Tach auch!

Samma, die Tage waahn ich und mein Juppa inne Goldschmiede bei Werner Fischer ihm sein 80. Geburtstag. Sonne richtige goldige Pattie.

Kannzedir vorstellen, datt Juppa und der Wänna Fischer watt gemeinsam hamm? Beide sind nämlich ne Null. Wänna im Januar zum achten Mal, Juppa demnächst zum siebten Mal. Zudem sindse beide von auswärts und somit keine echten Ahlener Poahlbörger. Und trotzdem hammse in Ahlen mitt ihre Hände Aabeit watt auffe Beine gestellt, jeder auf seine Schiene. Und sowatt verbindet ehm.

Alz nun die Tage Wänna Fischer fraachte „Juppa“, hatta gefraacht, „kannze bei mein Geburtstag sonne geflügelte Rede halten?“, da hatta natürlich erssma schwer nache Luft gehechelt und ich binn mitt ihm sonne Runde inne Stadt am überlegen gegangen. Genau gesacht: wir waahn für am nachdenken auffe „Via Dolorosa“, also auffe Oststraße direkt bei Wänna ihm sein Laden. Ich happ sofort zu Juppa gesacht: „Juppa“, happich gesacht, „datt iss abba nen richtigen Kaliber, sonne Rede! Da kannze nich einfach Schmonses schnäbbeln oder einfach rumlabern. Da muss schon Schmand anne Pommes, weilwe da ja inne hohe Gesellschaft sind!“

Datt erste watt Juppa getan hatt, waah im Internet am kucken bei seine intime Freundin Frau Guggel. „Wer iss Wänna Fischer?“ hattase gefraacht.
O, mein lieben Gottfriedkuhlmann. Über 600′000 mal gippts den Werner Fischer in Deutschland bei Frau Guggel. Zwar kein Vergleich zu Meyer, Müller, Schulze, Schmidt in Deutschland. Abba 600′000 mal datt waah einfach zuviel für am nachkucken.

Dann hattich ne zündige Idee: „Sach doch einfach watt über den Wänna ihm sein Lehm. Wanna geboren iss, welche Schuhgröße er hatt und wie ihm sein Frisör heißt. Weisse, sonne Geschichten sind doch immer nen perfekten Brüller.“

„Ach, weisse, Frieda“, hatt Juppa sofort gesacht, „datt iss wie Panhas am Schwenkmast. Damit kannze keinen ausse Ecke ziehen. Wänna iss 80, wohnt in Ahlen, hatt sonnen Klunkerladen, iss 1953 nach Ahlen gekommen, waah 1958 Karnevalsprinz, hat 1984 datt Goldmuseum eröffnet, dann sonne Akademie für Europa und zwischendurch hatta einfach mal sonne dicken Pöhle in seine Einfahrt gestellt, weil eina mitt sein Auto mitt Schmackes im Geschäft fahren wollte, um die Parkgebühren zu sparen. Und datt waahs. Nee, ich brauch watt anderes.“

Und so issa auffe Idee vonne Sprüche gekommen. Nich sonne Zitate von Giovanni Trappatoni oder Franz Beckenbauer oder Dieter Bohlen, diese modernen Sprücheklopper. Nee, Wänna hatt da schon watt inne Schupplade, watt nich jeder hatt. Echte Sprüche mit echten Spirrit; dazu Sprüche, die man nich umdeuten kann, so wie damals bei den Tschörtschill; also den Dicken mitte Hawanna im Mundwinkel. Watt hammse dem nich alles untergejubelt nach seine weltberühmten Worte „no sports“? „Sport iss Mord!“ hammse daraus gemacht und sonnen Scherzkeks hatt dann noch einen draufgesetzt mit „… und Breitensport iss Massenmord“.

Nee, bei Wänna brauchse einfach Sprüche ausse jüngste Zeit, nich aus seine stürmische Drangzeit, sondern aus sein reifes Alter.

Bei Wänna ihm sein Silberjubiläum von ihm sein Goldmuseum hatta in seine Rede an datt Volk gesacht: „Die Stadt Ahlen hat mir ein Feld zum Beackern gegeben und das habe ich gern getan!“

Hömma, datt issen Spruch, den kannze in Ahlen abba so manchen Bürger mal unterde Nase reiben tun. Ja, genau datt isses. Die Stadt Ahlen iss ne gute Stadt und in Ahlen gippts viele, viele Möglichkeiten für am wirken. Man musses nur ehm wollen und dann auch tun. Und Wänna hatt datt getan. Mitt seine eigene Hände. Und watt iss dabei  rausgekommen? Wänna hatt ausse ehemalige Kneipe, die „Stadtschänke“, nen Museum mit Goldglanz gemacht. Also sonn echten Juwel mit Juwelen.

Und selbs vor kurzem hatta dann noch sonnen markigen Spruch abgelassen: „Man muss an Ahlen einfach glauben!“ hatta gesacht.

Wieder mal sonnen echten Schlach auffe Zwölf. Ja, man muss einfach an diese Stadt glaum, so wie Wänna. Nich immer fragen, wann werden die gelben Säcke abgeholt oder warum iss die Weihnachtsbeleuchtung so sparsam oder wo kannze ne Runzelkarte für Senioren auf lau kriegen. Nee, nee, Wänna weiß genau, datt eins plus eins zwei gippt, und datt datt „plus“ immer bedeutet, datte selbs watt dazu tun muss. Nich inne Bude rumhocken, durche Programme im Fernsehen zappeln und warten, datt die anderen watt anpacken. Selbs inne Hände spucken und watt ausse Stadt machen, datt iss Wänna ihm sein Motto.

Denn nur mitt Läutkes, die anne Stadt glaum und selbs inne Hände spucken, iss auch alles Gold, watt glänzt,
meint auch

Frieda

Tönne ihm sein Jubiläum

Samma, da waah ich die Tage doch voll vonne Pötte. Mein Kumpel Tönne issen Sammler. Nich von sonne Abziehbilder von Sanella oder Winnetuh oder Fußball-Köppe vorde WM. Nee, Tönne hatt sonne Sammelleidenschaft von ihm seine eigene Erinnerungen.

Also, Tönne inne Windeln, Tönne alz i-Männeken, Tönne alza inne Lehre kaam, Tönne beim Tanzkurs, alza seine Ische kennengelernt hatt, Tönne auf ihm seine eigene Hochzeit und alles sonne Schoten.

Und gestern hatta seine Sammlung von ihm sein Jubiläum geöffnet. 25 Jahre anne Stanze. Boh, ej, da hammse abba damals sonnen Bohej raus gemacht, datt könnte sich heute in Ahlen kein Betrieb mehr erlauben beide wirtschaftliche Krise. Tönne waah so richtig im Eppizentrum vonne Aufmerksamkeit. Firmenchef, Geschäftsführung, Betriebsrat und sonne Abordnung aus ihm seine Werkstatt, wo Tönne 25 Jahre die Pötte gemacht hatt. Große Reden, goldene Uhr und sonnen Scheck, der sogar gedeckt waah.

Ja, weiße, plötzlich hattich sonne göttliche Eingebung. Ich sach „Tönne“, happich gesacht, „den Tach als solchen kannze ja nich mehr nachstellen; abba so datt Drumunddran schon!“ Und dann happichem erssma so datt Drumunddran ausse Nase gezogen. Also, Schnittken, Mettbrötkes und vor allem datt Flüssige. Sprich Körnken und Pilsken. Hömma, datt waah ne Pattiee wie ihm Bilderbuch. Jahre später, abba genauso lebendig wie bei Tönne ihm seine Feier.

Ja, kuckma, sonne Tage musse dir einfach öfter mal im Gedächtnis rufen; nich sonne Fottos machen, Zeitungsausschnitte sammeln und die Rede vom Chef nochma nachlesen; nee sowatt muss lebendig sein.

Wennich an unsere Sportszene von 1970 zurückdenke, mannomann, watt waah datt für ein Jahr. Voll vonne Jubiläums: der SSV Westfalia wurde 65, hatte also sein Rentner-Alter erreicht, die Sportfreunde Wacker wurden 50 und die TuSler vonne Glückauf-Kampfbahn feierten mit 25 Jahren datt Silberjubiläum. Die ganzen Festredner torkelten von eine Feier inne nächste, weilja bei sonne Feierlichkeiten datt Flüssige auch sonn Wörtken mitreden musste.

Abba trotzdem: irgenzwie waahn alle nich so richtig inne Zufriedenheit. Inne Vergangenheit vonne Vereine waah ja alles im Lot, alle waahnse am Schulterkloppen, Ehrennadeln anne Joppe klemmen und datt hohe Lied vonne Vereinstreue am singen. Bloß, wennse inne Zukunft am kucken waahn, mein lieber Scholli, da hammse abba lieber im Glas gekuckt als inne Richtung nach vorn.

Ganz im Gegenteil von Tönne und von mir: wir freuen uns auf den nächsten Jahrestag von Tönne ihm sein Silberjubiläum.

Tach auch!

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