Frauen waahn verboten
24. Februar 2010 von Juppa
Samma, datt iss kein vorgezogenen April-Scherz. Datt iss echt, wattich da schreibe. „Frauen waahn verboten“. Ehrlich, so wie ich datt schreibe. Frauen waahn beim Fußball verboten. Bis Ende Oktober 1970. Bis dahin waahnse beim DFB die Frauen einfach am ingorieren. Mussedirma reinziehen: für die Fußball-Bosse waahn die Frauen gaanich inne Welt. Bis dann auf sonne Zusammenkunft in Travemünde die Frauen plötzlich am existieren waahn.
In England, also in diese Hochburg vonne Fußballer, gaaps Fußball für die „lädies“ schon ganz lange. Kultig und züchtig, wie datt beide Insulaner so üblich waah: mit Hütchen auffem Kopp und sonn Röcksken überde Knickerbocker. Wegen den Anstand.
Ja, und dann gantz plötzlich gaaps bei uns auch Fußball fürde Frauen; in Ahlen sogar nochen Tacken früher als beim DFB. Als nämlich der SSV Westfalia Ende Juni 1970 sein Jubiläum am feiern fing, da stand im Programm von den SSVern schon sonnen Hinweis auffe Demonstrazjon im Frauen-Fußball. Ne echte Rewollutzjon.
Beim DFB gaaps keine Frauen, beim SSV abba standense hoch im Kurs. Tüppisch Ahlen, mussichma so einwerfen. In viele Dinge iss Ahlen immer sonnen kleinen Tacken inne Führung. Erss zwanzig Jahre später durften dann die nazjonalen Frauen inne Europameisterschaft eingreifen. Und prompt hammse dann auch gewonnen. Und weisse, wattse als Preis gekricht hamm? Fang ja nich am brüllen, abba datt stimmt, wattich getz inne Öffentlichkeit bringe. Unsere siegreichen Frauen hamm ein Kaffeeservice als Geschenk bekommen. Datt waah 1989. Ein Jahr später hatt Kaiser Franz in Rom mitt seine Jungens die WM gewonnen. Getz stelldirma vor, wennse den Rudi Völler sonnen Kaffeeservice inne Hand gedrückt hätten. Oder vielleicht den Icke Häßler oder die Heulsuse Möller. Mann, die hätten Polterabend im Olympiastadion von Rom gemacht.
Abba mitte Frauen konntense datt ja machen, wobei die Alternative ja eventuell sonnen Mopp oder Aufnehmer besser gewesen wären für die Küchenaabeit vonne Frauen.
Watt sollich sagen, in Ahlen hatte man den richtigen Riecher.
Nur beide Frage vonne Trikottauscherei, da waah sich der SSV–Vorstand nich ganz grün. Da gaaps richtige Debatten. Die einen waahn dafür, weilse schon viel von den Oskar Kolle, dense in ihm sein bürgerliches Lehm Oswald nannten, gelesen und gesehen hatten.
Und die anderen, die waahn noch ausse alte Schule, so wie mein Onkel Günna. Au wie, watt waah der von gestern. Einmal, als wir voll die Pattie hatten, kaam Tante Katti mit ein Dekolltee bei uns inne Wohnung und ich waah gierig am kucken, watt sich da alles so verbirgt. Und Onkel Günna hat gebrüllt „Juppa“, hatta gebrüllt, „da daafse nich hinkucken. Datt iss Sünde. Davon wirsse blind!“ Abba selbs konnta gaanich lange genug seine Augen auff Tante Katti richten.
Ja, kuck, und watt iss heute? Da daafs hinkucken, im Dekolltee und beim Frauenfußball.
Tach auch!
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